Textnachrichten enthüllen die emotionale Zeitachse des 11. September 2001

Textnachrichten enthüllen die emotionale Zeitachse des 11. September 2001
Textnachrichten enthüllen die emotionale Zeitachse des 11. September 2001
Anonim

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 wurden als der entscheidende Moment unserer Zeit bezeichnet. Tausende Menschen starben und die Angriffe hatten enorme individuelle und kollektive Folgen, darunter zwei Kriege. Über die unmittelbaren emotionalen Reaktionen auf die Angriffe ist jedoch weniger bekannt. Für eine neue Studie, die in Psychological Science, einer Zeitschrift der Association for Psychological Science, veröffentlicht wurde, analysierten Forscher am 11. September 2001 gesendete Textnachrichten auf emotionale Wörter. Sie fanden an diesem schicksalhaften Tag eine wachsende Angst und stetig wachsende Wut vor.

Die Forscher nutzten Transkripte von mehr als 500.000 Textnachrichten, die am Tag der Angriffe an Pager gesendet wurden. Die Transkripte wurden letztes Jahr anonym auf WikiLeaks veröffentlicht. Die Psychologen Mitja D. Back, Albrecht C.P. Küfner und Boris Egloff von der Universität Mainz in Deutschland verwendeten eine Software zur automatischen Textanalyse, um nach Wörtern zu suchen, die sich auf Traurigkeit (Wörter wie Weinen und Trauer), Angst (besorgt, ängstlich) und Wut (Hass, verärgert) beziehen. Sie notierten auch, wann verschiedene Ereignisse an diesem Tag stattfanden, wie die Flugzeugabstürze, die beiden Reden von Präsident George W. Bush und die Zeit, als American Airlines den Verlust von zwei Flugzeugen meldete.

Wut hat sich im Laufe des Tages angesammelt. Am Ende des Tages gab es zehnmal so viele wütende SMS wie am Morgen vor dem Flugzeugabsturz. Die Angst hingegen stieg und fiel im Laufe des Tages; 30 Minuten nach einem belastenden Ereignis tauchten signifikant mehr angstbezogene Wörter in SMS auf als 30 Minuten zuvor.Aber die Angst kehrte immer wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Die Daten zeigen, dass die Menschen nicht hauptsächlich mit Traurigkeit reagierten; das könnte später gekommen sein, sagen die Forscher.

Die Tatsache, dass Wut in den unmittelbaren Reaktionen der Menschen dominierte, könnte dabei helfen, einige der Folgen der Angriffe zu erklären. Wut ist dafür bekannt, Menschen dazu zu bringen, Rache zu wollen; dies könnte die Berichte über Diskriminierungshandlungen gegen Muslime in den Tagen nach den Anschlägen sowie die breitere gesellschaftliche Reaktion erklären, mutmaßen die Forscher.

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