Lipidperoxide: Anspruchsvoller als ihr Ruf

Lipidperoxide: Anspruchsvoller als ihr Ruf
Lipidperoxide: Anspruchsvoller als ihr Ruf
Anonim

Die Akkumulation von Lipidperoxiden in der Zelle wird mit Krankheiten und zellulärem Stress in Verbindung gebracht. In der aktuellen Ausgabe von Proceedings of the National Academy of Sciences zeigen Forscher des Helmholtz Zentrums München und der schwedischen medizinischen Universität Karolinska Institutet, dass Lipidperoxide auch eine wichtige, bisher unerkannte Rolle bei der Regulation von Rezeptor-Tyrosinkinasen spielen.

Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und eine Forschungsgruppe am Karolinska Institutet in Stockholm, Schweden, haben Forscher nun herausgefunden, dass Lipidperoxide eine spezifische physiologische Rolle in der Zelle spielen.Bereits vor dieser Studie hatten Wissenschaftler festgestellt, dass eine Anhäufung von Lipidperoxiden auf Zellstress hinweist. Lipidperoxide haben sich außerdem als sehr potente Induktoren des Zelltods erwiesen.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen nun, dass chemisch modifizierte (oxidierte) Lipide vorübergehend Protein-Tyrosin-Phosphatasen inaktivieren. Diese wiederum regulieren die zelluläre Kommunikation von Rezeptortyrosinkinasen (RTK). Dieser Befund ist von zentraler Bedeutung, da eine fehlerhafte Aktivierung der Rezeptortyrosinkinasen zu vielen Krankheiten, einschließlich Krebs, beiträgt. Bisher war nur bekannt, dass Wasserstoffperoxid Protein-Tyrosin-Phosphatasen oxidiert und inaktiviert und somit eine regulierende Wirkung auf Kinasen hat.

"Wir konnten zeigen, dass Lipidperoxide 100-1000-mal wirksamer sind als Wasserstoffperoxid", sagte Dr. Marcus Conrad, Erstautor der Publikation, der inzwischen vom Helmholtz Zentrum München an das German Centre gewechselt ist für neurodegenerative Erkrankungen.Dr. Arne Östman und Åsa Sandin vom Karolinska Institutet fügten hinzu: „Es wird sehr interessant sein zu sehen, ob Lipidperoxide zur Aktivierung von Tyrosinkinasen bei Krebs und anderen Krankheiten wie Diabetes und Alzheimer beitragen.“

Hintergrund

Lipidperoxide sind chemisch veränderte Lipide oder Fettsäuren, die unter anderem auf zellulären Stress hinweisen. In hohen Konzentrationen können sie den Zelltod auslösen. Erhöhte Konzentrationen von Lipidperoxiden werden häufig bei Patienten mit Volkskrankheiten wie Atherosklerose, Diabetes, Krebs oder neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer gefunden.

Rezeptortyrosinkinasen (RTK) und Proteintyrosinphosphatasen haben eine wichtige Funktion bei der Regulation von Zellwachstum und Zellteilung. Überaktive Rezeptortyrosinkinasen spielen eine Schlüsselrolle in der Ätiologie von Krebs. Eine häufige Ursache für Brustkrebs ist beispielsweise eine Fehlfunktion der Rezeptor-Tyrosinkinase HER-2 (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2).In gesunden Geweben und Zellen werden Rezeptortyrosinkinasen genau durch Proteintyrosinphosphatasen reguliert.

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