Prothese mit Informationen auf Knopfdruck: Handprothese, die Phantomschmerzen lindert

Prothese mit Informationen auf Knopfdruck: Handprothese, die Phantomschmerzen lindert
Prothese mit Informationen auf Knopfdruck: Handprothese, die Phantomschmerzen lindert
Anonim

Der Schmerz, ein Körperteil zu verlieren, ist zweifach, da Patienten nicht nur unter Wundschmerzen leiden. Oft sind sie auch von sogenannten Phantomschmerzen betroffen. Im Gegensatz zu körperlichen Wunden, die irgendwann heilen, hält Phantomschmerz oft Jahre und manchmal ein Leben lang an.

"Phantomschmerzen sind sehr schwer zu behandeln", sagt Professor Dr. Thomas Weiss von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Meist erweisen sie sich als sehr therapieresistent“, sagt der Professor am Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie.In vielen Fällen bleiben die Beschwerden trotz hoch dosierter Schmerzmittel bestehen. Dies setzt die Patienten einem hohen Risiko einer Medikamentenabhängigkeit aus, so der Schmerzforscher.

Doch jetzt geben Wissenschaftler der Universität Jena den betroffenen Patienten Anlass zur Hoffnung. Zusammen mit den Unfallchirurgen des Universitätsklinikums Jena, Wirtschaftspartnern und unterstützt von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGVU) modifizierte das Team um Professor Weiss herkömmliche Handprothesen, um Phantomschmerzen nach einer Unterarmamputation zu reduzieren.

Eine Stimulationseinheit, die über eine Manschette mit dem verbleibenden Teil des Oberarms verbunden ist, spielt bei dem neu entwickelten Medizinprodukt eine entscheidende Rolle.

„Zwischen Daumen und Zeigefinger sowie am Daumen der Handprothese befinden sich Drucksensoren“, erklärt Professor Dr. Dr. Gunther Hofmann, Direktor der Jenaer Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

Ursprünglich sollten sie nur die Griffstärke der künstlichen Hand regulieren - je nachdem, was der Patient in die Hand nehmen wollte - ein rohes Ei oder einen Hammer.

"Unser System ist nun in der Lage, diese sensorischen Informationen von der Hand auf den Oberarm zu übertragen", sagt Unfallchirurg Hofmann. „So nimmt das Gehirn die Rückmeldung der Prothese auf, als wäre es die eigene Hand“, ergänzt Professor Weiss und erklärt die Ursache für den Phantomschmerz: Die Gehirnstrukturen, die ursprünglich für die Reizverarbeitung des Arms zuständig waren, sind plötzlich „ arbeitslos" nach dem Verlust der Gliedmaße. Dies induziert eine funktionelle Reorganisation dieser Gehirnregionen.

"Diese Areale übernehmen die Verarbeitung von Sinnesreizen von anderen Körperteilen, insbesondere dem Armstumpf und dem Gesicht", sagt der Jenaer Psychologe. Als Folge treten verstärkte und teilweise schmerzhafte Empfindungen auf - der Phantomschmerz.

Durch die vom Jenaer System bereitgestellte Rückkopplung zwischen der künstlichen Hand und dem Gehirn soll die Reorganisation des Gehirns verhindert oder rückgängig gemacht werden.„Die ersten Patienten, die das System getestet haben, äußerten sich sehr positiv“, freut sich Professor Hofmann. Es sei jetzt wichtig, das Feedback-System an so vielen Patienten wie möglich zu testen, fügte er hinzu.

"Wir möchten wissen, ob die Übertragung von sensorischen Informationen aus der Hand nur für wenige Menschen hilfreich ist oder ob es ein Therapeutikum für alle Prothesenträger ist", erklärt Professor Weiss.

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