Sexuelle Diskriminierung neu definieren

Sexuelle Diskriminierung neu definieren
Sexuelle Diskriminierung neu definieren
Anonim

Gender Belästigung – verbale und nonverbale Verh altensweisen, die beleidigende, feindselige und erniedrigende Einstellungen gegenüber Frauen vermitteln – ist für weibliche Opfer genauso belastend wie sexuelle Annäherungsversuche am Arbeitsplatz. Laut Emily Leskinen, Lilia Cortina und Dana Kabat von der University of Michigan in den USA führt geschlechtsspezifische Belästigung auch zu negativen persönlichen und beruflichen Folgen und ist daher eine schwerwiegende Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Ihrer Ansicht nach spricht einiges dafür, die bestehende Gesetzgebung dahingehend auszulegen, dass sie geschlechtsspezifische Belästigung einschließt, sodass sie als legitime und schwerwiegende Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts am Arbeitsplatz anerkannt wird.

Ihre Arbeit wird online in der Springer-Fachzeitschrift Law and Human Behavior veröffentlicht.

Die allgemein anerkannte Auffassung von sexueller Belästigung sieht unerwünschte sexuelle Aufmerksamkeit als wesentlichen Bestandteil. Was Leskinens Arbeit zeigt, ist, dass neun von zehn belästigten Frauen in ihrer Stichprobe geschlechtsspezifische Belästigung erlebt haben, hauptsächlich in Abwesenheit sexueller Avancen am Arbeitsplatz. Und doch wird innerhalb der aktuellen Rechtsauffassung von sexueller Belästigung geschlechtsspezifische Belästigung ohne sexuelle Avancen routinemäßig vom Gesetz vernachlässigt.

Leskinen, Cortina und Kabat analysierten Umfragedaten von Frauen, die in zwei von Männern dominierten Umgebungen arbeiten: dem US-Militär (9.725 Frauen) und der föderalen Rechtspraxis (1.425 Frauen). Ihre Analysen ergaben fünf typische Belästigungsprofile: geringe Viktimisierung (sexistisches Verh alten); geschlechtsspezifische Belästigung (sexistische und grobe Belästigung); geschlechtsspezifische Belästigung mit unerwünschter sexueller Aufmerksamkeit; mäßige Viktimisierung (mäßiges Ausmaß aller Arten von Belästigung); hohe Viktimisierung (häufige Belästigung).Die große Mehrheit (90 Prozent) der Belästigungsopfer fiel in eine der ersten beiden Gruppen, die praktisch keine unerwünschten sexuellen Annäherungsversuche beschreiben, jedoch die häufigsten Manifestationen von sexueller Belästigung sind.

Im Vergleich zu Nicht-Opfern berichteten geschlechtsspezifisch belästigte Frauen von negativen persönlichen und beruflichen Folgen in den beiden unterschiedlichen Arbeitsumgebungen. Beim Militär schnitten die Opfer bei allen Arbeitseinstellungen deutlich schlechter ab und berichteten von einem stärkeren Leistungsabfall aufgrund sowohl der körperlichen als auch der emotionalen Gesundheit. Sie beschrieben auch insgesamt weniger psychisches Wohlbefinden und gesundheitliche Zufriedenheit und hatten mehr Gedanken und Absichten, ihre Arbeit aufzugeben. Unter Anwältinnen und Anwälten berichteten geschlechtsspezifisch belästigte Frauen von einer geringeren Zufriedenheit mit beruflichen Beziehungen und einem höheren Arbeitsstress. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen, die aufgrund ihres Geschlechts belästigt werden, wie Frauen, die sexuelle Belästigung erfahren, am Arbeitsplatz schlecht abschneiden.

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