Gehirn, heile dich selbst

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Anonim

DALLAS, 2. Juni – Forscher haben zum ersten Mal bei Menschen gezeigt, dass eine Rehabilitationstherapie dem Gehirn eines Schlaganfallüberlebenden helfen kann, sich selbst neu zu verdrahten, was dazu führt, dass ein zuvor unbenutztes Glied wieder verwendet werden kann. Die Studie ist in diesem Monat im Stroke: Journal of the American Heart Association.

"Dieses Ergebnis ist seit Jahrzehnten ein Ziel der Neurowissenschaften, und obwohl es bei Tieren gezeigt wurde, ist es das erste Mal, dass es beim Menschen gezeigt wurde", sagt einer der Autoren der Studie, Edward Taub, Ph.D., der Universität von Alabama in Birmingham.

Jahrzehntelang glaubte man, dass nach einem Schlaganfall abgestorbene Gehirnzellen für immer verschwunden seien.Jüngste Forschungen haben ergeben, dass das Gehirn viel „plastischer“ist als bisher angenommen. "Plastizität" bezieht sich auf die Fähigkeit des Gehirns, seine Sch altkreise neu zu verdrahten, um Aufgaben auszuführen, die es aufgrund einer schweren Verletzung nicht ausführen konnte.

Dieser Befund gibt Forschern Hoffnung, die glauben, dass es möglich sein könnte, Gehirnbereiche zu stimulieren oder zu manipulieren, um die verlorenen Funktionen zu übernehmen, ein Prozess, der als kortikale Reorganisation bekannt ist.

Forscher verwendeten ein Verfahren namens fokale transkranielle Magnetstimulation, um die Aktivität der Großhirnrinde, der dünnen Schicht aus grauer Substanz, die die Oberfläche jeder Gehirnhälfte bedeckt, abzubilden. Die Großhirnrinde ist an höheren mentalen Funktionen und an der Produktion allgemeiner Bewegungs- und Verh altensreaktionen beteiligt.

Taub und seine Kollegen überwachten insbesondere den Bereich des Kortex, der einen wichtigen Handmuskel steuert, und verglichen die Aktivität im verletzten Teil des Gehirns mit dem nicht betroffenen Teil.Sie untersuchten 13 Schlaganfall-Überlebende – 10 Männer, drei Frauen – vor und nach einer 12-tägigen Bewegungstherapie.

"Das Fazit ist, dass unsere Rehabilitationstechnik zusätzliche Bereiche des Gehirns rekrutiert, um an der Bewegungsproduktion nach einem Schlaganfall teilzunehmen", sagt Taub.

Vor der Behandlung war der Bereich der Großhirnrinde, der die Bewegungen des Handmuskels steuert, auf der geschädigten Seite des Gehirns erheblich kleiner als auf der nicht betroffenen Seite. Nach der Behandlung war die Größe des aktiven Bereichs, der Bewegung in der geschädigten Hemisphäre erzeugen konnte, signifikant vergrößert, was einer stark verbesserten motorischen Leistung des behinderten Arms entspricht.

"Diese Ergebnisse zeigen das Potenzial für die Verbesserung von Funktionsstörungen nach neurologischen Verletzungen durch den Einsatz geeigneter Techniken", sagt Taub. „Das eröffnet auch die Möglichkeit, diesen Effekt durch andere Rehabilitationstherapien oder pharmakologische Mittel hervorrufen zu können."

Bei Nachuntersuchungen bis zu sechs Monaten nach der Therapie blieb die Gehirnaktivität auf einem hohen Niveau und das Aktivitätsgebiet in beiden Hemisphären wurde nahezu identisch. Auch die verbesserte Motorik hielt über diesen Zeitraum an.

Die Behandlung, die als Constraint-Induced Movement Therapy bezeichnet wird, beinh altet die Fixierung des vom Schlaganfall weniger betroffenen Arms für 90 Prozent der Wachstunden für zwei oder drei Wochen. An den Wochentagen während des Zeitraums werden sechs Stunden Therapie auf sieben Stunden verteilt, mit einer Stunde Ruhe. Die Wirksamkeit dieser Therapie ergibt sich laut Taub aus der Tatsache, dass sie die kontinuierliche Anwendung der betroffenen Extremität über viele Stunden am Tag über einen Zeitraum von aufeinanderfolgenden Wochen erfordert.

Einen Tag vor der Behandlung erzielten die Patienten bei einem Test, der den Armgebrauch bei 20 häufigen und wichtigen Aktivitäten des täglichen Lebens verfolgte, durchschnittlich 2,2 und einen Tag nach der Behandlung durchschnittlich 3,7. Eine Punktzahl von 2 zeigt eine leichte Verwendung an; 3, halb so viel Gebrauch wie vor Schlaganfall; und 4, drei Viertel so viel Gebrauch wie vor dem Schlaganfall.

Am ersten Tag nach der Behandlung gab es im geschädigten Teil des Gehirns 37,5 Prozent mehr Aktivität als im gesunden Teil des Gehirns. Dies stellte eine beinahe Verdopplung des aktiven Bereichs des Gehirns auf der betroffenen Seite dar.

Nach Taub spiegelt die Reorganisation entweder eine Zunahme der Erregbarkeit von Neuronen wider, die bereits an der Entwicklung betroffener Handbewegungen beteiligt sind, eine Zunahme der Menge an erregbarem Gewebe in der geschädigten Hemisphäre oder beides.

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